Historie

 

Über 50 Jahre Almhöhe:
Ein Gewerbegebiet wie kein Zweites!

Was der Norddeutsche so Berge nennt. Die Topographie von Soltaus Südwesten zeigt es gnadenlos: Zwei Gipfel ragen dort empor! Zum einen der „Hornberg“ etwa
bei Fa. Schlichting mit 70 Metern über dem Meeresspiegel, und zum zweiten der „Kahlberg“ an der Ecke zur Tetendorfer Straße sogar mit 72 Metern. Diese beeindruckenden Fakten und die Nähe zum Hof Alm waren ausschlaggebend für die
treffende Bezeichnung Almhöhe.

Zur Zeit der Initialzündung ein Gewerbegebiet auf der grünen Wiese vor den Toren Soltaus zu installieren, war man mit der Namensgebung allerdings noch nicht so weit. Denn als der bekannte deutsche Strumpfkönig Hans Thierfelder im März 1961
den Bauantrag stellte, lautete die Adresse noch Walsroder Straße (außerhalb). Hier
sollten über 100 vornehmlich weibliche Beschäftigte ihren neuen Arbeitsplatz erhalten.

Nachforschungen zufolge hatte Thierfelder (ARWA-Perlonstrümpfe) seit längerem
nach einem Standort für seine damalige vierte Produktionsstätte gesucht. Schon im Jahr 1958 richtete er ein provisorisches Werk im ehemaligen Kino „Soltauer Lichtspiele“ von Fritz Voss an der Celler Straße ein. Das konnte aber nur eine Übergangslösung bis zum Neubau einer modernen Fabrik sein.

In der Vorweihnachtszeit 1961 wurden in Soltaus Südwesten die ersten ARWA-Damenfeinstrümpfe produziert. Zeitzeugen erinnern sich: „Der Thierfelder fuhr so einen luftgefederten schicken schwarzen Borgward...“ und weiter: „Wir Frauen waren froh über die modernen schönen Arbeitsplätze.“ An den Fabrikverkaufstagen
gab es kein Halten für die hiesige Damenwelt: „Unser Werk wurde regelrecht gestürmt, so begehrt waren Perlons!“

Welche Umstände genau dazu geführt haben, daß bereits 1963 die westfälische Baumhüter-Gruppe die Soltauer Strumpffabrik übernommen hat, lässt sich heute nicht mehr einwandfrei klären. Tatsache ist, daß sich in dieser Zeit die deutsche
Damenfeinstrumpfbranche schon stark dezimierte und durch Billigware, teils aus eigener Produktion, teils durch Importe, unter den Marktverschiebungen litt.

In Soltaus Gewerbegebiet an der Walsroder Straße tat sich in diesen Jahren nichts.
Keine Neuansiedlung gelang, kein Neubau entstand, kein Investor war zu sehen...
Während andere Kommunen im Wirtschaftswunder-Deutschland es verstanden hatten,
lukrative Betriebe anzusiedeln, herrschte in Soltau bis dahin praktisch Stillstand.

Erst in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre kam Bewegung auf die Almhöhe:
Die Firmen Draht-Schmidt, Möbel-Röper, Kochsiek und Gorski-Fenster zählten zu den Pionieren, die sich locker verstreut in der Nähe des Perlmutt-Werkes ansiedelten. Und in den 1970er-Jahren (dann schon Almhöhe) kamen die Dichtungstechnik, Motoren-Marquardt, Cohrs und Jakszentis dazu. Schlag auf Schlag ging es in den 1980er-Jahren mit Rathsmann, Meyer, Alms, Homann,
Dachdecker-Einkauf, Ernst, Alms, Tamke und Fehlig weiter, um nur einige zu nennen.

Im Jubiläumsjahr 2011 stellt sich die Almhöhe fast wie ein eigener Stadtteil dar. Über 50 Betriebe aus Handel, Handwerk und Produktion befinden sich dort. Die Almhöhe
ist neben der Innenstadt Soltaus zweiter Einzelhandelsschwerpunkt. Dazu führte insbesondere das 1998 errichtete Fachmarktzentrum „Soltauer Alm“ mit über 16.000m² zusammenhängender Handelsfläche.

Addiert man die Quadratmeter sämtlicher Ausstellungs- und Verkaufsflächen der Almhöhe, kommt man auf die beeindruckende Gesamtzahl von über 40.000m²
überdachte Warenpräsentation! Dazu kommen rund 1600 kostenfreie Parkplätze
und eine durch drei Zufahrten bequeme Erreichbarkeit. Das Ganze ist auch noch
landschaftlich schön eingebettet, von Kiefernwäldern umgeben, gartenbautechnisch
gut gestaltet und von einem bronzezeitlichen Hügelgräberfeld im Süden begrenzt.

Das Gewerbegebiet Almhöhe kann sich sehen lassen! Ein Branchenmix mit zahlreichen Autohäusern, Dienstleistern, Fachmärkten, Gastronomie, Tankstelle
und leistungsstarken Handwerksbetrieben ist hier im Laufe der Jahre entstanden.
Kaum ein anderes Gewerbegebiet im weiteren Umkreis ist so vielfältig und lebendig.

Auch die Aktivitäten der Interessengemeinschaft Almhöhe sind beeindruckend: Erinnern Sie sich an die legendären Oktoberfeste, Frühlingsschauen, Flohmärkte und Bunten Meilen? Sie lockten stets tausende Besucher an, die sich hier gerne bei
Tagen der offenen Tür auch für einen Blick hinter die Betriebstüren interessierten.

Apropos Betriebstüren: Rund 1000 Beschäftigte gehen auf der Almhöhe täglich ihrer Arbeit nach und erwirtschaften einen Gesamtumsatz von über 350 Millionen Euro jährlich. Der Nachwuchs freut sich über insgesamt rund 100 Ausbildungsplätze in
den unterschiedlichsten Berufssparten auf der Almhöhe. Hochspezialisierte Produktionsbetriebe mit anspruchsvollen Arbeitsplätzen und internationalen
Handelsbeziehungen sind hier ebenfalls angesiedelt. Versandhandel, moderne Logistikbetriebe, Zentralverwaltungen und Verteildienste steuern von hier ihre Distribution.

Zusammengefasst ist das Gewerbegebiet Almhöhe das bedeutendste
Wirtschaftszentrum unserer Stadt. Als Einzelhandelszentrum ist es das beliebteste
Einkaufsziel der Region mit jährlich rund 1,8 Millionen Besuchern.

Text: Andreas Pareigis